Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11. Juli 2003 :

LENTHE / Kirche zu den 10 000 Rittern:
Geschnitzter Altar kostete vor 300 Jahren 60 Taler
Der Patron blickt längst nicht
mehr auf die Gemeinde herab
Handarbeit : Die Figuren der Abendmahlsszene auf dem Lenther Altar hat zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Künstler Johann Conrad Ziesenis aus Holz geschnitzt
Zahlreiche zum Teil Jahrhunderte alte Kapellen stehen im Calenberger Land. Meist sind sie einer anderen Kirchengemeinde angegliedert und haben keinen eigenen Pastor mehr. Die Calenberger Zeitung stellt die Kapellengemeinden in loser Folge vor. Heute: Lenthe.



Wer in der Lenther Kirche sitzt und ganz still ist, kann beim Ticken der Turmuhr hören, wie die Zeit vergeht. Und viel Zeit ist vergangen, seit es vor hunderten von Jahren hier eine Kapelle gab, die dem Martyrium der 10 000 Ritter geweiht war. Sie gehörte zur Mutterkirche Ronnenberg. Damit war der Kirchweg, der trotz eigener Kapelle beispielsweise zu Taufen und Beerdi-













gungen angetreten werden musste, lang und mühsam. 1394 schlossen sich daher neun Männer der Familie von Lenthe zusammen, um eine selbstständige Pfarrei zu finanzieren. Aus dieser Zeit stammt auch das Recht, den Ältesten jener Familie zum Patron der Kirche zu bestimmen. Heute nimmt Kurd von Lenthe (75) das Recht wahr und ist damit automatisch Mitglied im Kirchenvorstand. Prächtige hohe Gedenktafeln, sogenannte Epitaphe, im Innern der Kirche zeugen davon, dass die Verstorbenen der Familie von Lenthe über Jahrhundertein in der Kirche bestattet wurden. Im Jahr 1737 wurde eigens eine Gruft an der Südwestseite des Gebäudes errichtet. Der darüber liegende Teil wurde ins Kirchenschiff integriert und galt als Familiensitz. Die Frage, ob der Sitz heute
noch beansprucht wird, beantwortet Kurd von Lenthe mit einem Schmunzeln. „Was sollen wir da oben, wenn hier unten die Gemeinde sitzt ?"
Ein Grund wäre vielleicht der Blick auf den prachtvollen, aufwändig geschnitzten und bemalten Altar, der die Abendmahlsszene darstellt und darüber den gekreuzigten Christus zeigt. Der vom hannoverschen Bildschnitzer und Maler Johann Conrad Ziesenis gefertigte Altar kostete damals 60 Taler. Er ersetzte 1710 den Schreinaltar, der der Nachbargemeinde Northen geschenkt wurde. Der alte Altar ist übrigens immer noch in Lenthe präsent, und zwar als großes Foto im Gemeindehaus. Hier treffen sich Mütter mit ihren Krabbelkindern, hier wird geklönt, gefrühstückt und vieles mehr.

Pastor Friedrich Strauß kümmert sich seelsorgerisch um die Gemeinde, zu der außer der Northener auch die Everloher Kapellengemeinde gehört. Eine eigene Pfarrstelle wird es wohl nie wieder geben, von Lenthe spricht von Dauervakanz. Auch die sechs Wochenstunden für die Küsterstelle reichten bei Weitem nicht aus, berichtet der Patron und lobt Margarete Uelschen, die neben ihrem Küsterdienst viele ehrenamtliche Stunden arbeite. ks